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Vom Kerbholz zum Bitcoin – Über die Eigenheiten von Geld

Was ist eigentlich Geld? Ein Wert an sich, oder nur ein Maßstab für (andere) Werte? Historiker vermuten, dass Geld durch Schuldverhältnisse entstanden ist. In der Frühzeit ließ man nach Erhalt von Waren oder Leistungen die Schuld mit Hilfe von Kerbhölzern anschreiben. Dazu ritzte man Kerben quer in ein Holzstück und brach es anschließend längs durch. Gläubiger und Schuldner erhielten je ein Stück und konnten auf diese Weise sicher sein, das niemand nachträglich etwas an den Kerbungen veränderte. Am Zahltag wurde das Kerbholz wieder zusammengelegt und die vereinbarte Schuld beglichen.

 

Im Laufe der Zeit übernahmen Edelmetalle wie Gold oder Silber und von Staaten definierte Währungen wie Euro oder Dollar diese Funktion. Die Menschen akzeptieren Papiergeld, weil sie darin ein durch den Staat bzw. der Gesellschaft garantiertes Zahlungsmittel sehen. Zudem dient Geld als Wertmaßstab, weil mit ihm jedem Gut ein Wert zugesprochen wird. Dabei unterscheidet man z. B. zwischen Sach- und Geldvermögen. Der Wert des Sachvermögens (wie Immobilien) wird in Geldeinheiten gemessen. Geldvermögen ist hingegen nichts anderes als eine Anhäufung von imaginären Zahlen bzw. Zahlungsversprechen, mit denen Güter und Dienstleistungen gekauft werden können.

 

Dieser Wertmaßstab wird durch die geldausgebende Zentralbank beeinflusst. Legt sie z. B. einen hohen Zins fest, so ist der Preis jedes geliehenen oder investierten Euros hoch. Darüber hinaus steuert die Zentralbank die Menge des Geldes. Wird sie – plakativ gesprochen – über die Notenpresse erhöht, steigt aufgrund der vermeintlich höheren Kaufkraft die Nachfrage nach Produkten und damit deren Preis. Der Wertmaßstab ändert sich und es entsteht Inflation. Liegt die Inflation über dem von der Zentralbank definierten Zinsniveau, so sind Investitionen in Sachgüter rentabler. Denn niemand hortet Geld auf Girokonten, wenn die Inflation die Zinserträge zunichte macht.

 

Kryptowährungen wie Bitcoin erfreuen sich derzeit hoher Beliebtheit. Doch warum sind sie entstanden und werden im Zahlungsverkehr überhaupt akzeptiert? Letztlich ist dies auf die relativ fälschungssichere „Notenpresse“ (Blockchain und Mining) zurückzuführen. Bitcoins können nicht durch eine Zentralbank via Zinsänderung oder Geldmengenerhöhung manipuliert werden. Denn die Anzahl der Bitcoins ist begrenzt und ihre Erschaffung von Rechnerkapazitäten abhängig. Theoretisch kann jeder mit seinem Heim-PC Coins produzieren, weil das Geld dezentral durch „Miner“ und nicht zentral durch wenige Banken erschaffen wird. Damit geht jedoch auch die Kontrolle über die Geldschöpfung verloren, welche jede Gesellschaft durch Institutionen wie eine Zentralbank – von der Antike bis heute – zu behalten versucht. Folglich diskutieren weltweit viele Regierungen und Notenbanken über ein Verbot von Kryptowährungen.

 

Der Erfolg einer Währung basiert auf dem Vertrauen in die Gelderschaffer, ihren Wert über die Zeit stabil zu halten. Dabei sind die Geldmenge und ein möglicher Zins von großer Bedeutung. Ob es sich dabei um Kerbhölzer, Münzen, Scheine oder Kryptowährungen handelt, spielt keine Rolle. Letztlich kommt es darauf an, welche realen Güter mit dem Geld erworben werden können. Durchlaufen Länder (geld-)politische Krisen, kann das Geldvermögen schlagartig an Wert verlieren. Vor diesem Hintergrund wandeln Vermögende ständig ihr Geld in Sachgüter wie Immobilien um. Diese lösen sich bei Währungskrisen nicht in Luft auf. Das bewohnte Haus ist weiterhin vorhanden und wird über das Grundbuch dem Eigentümer zugesprochen. Lediglich in Ausnahmensituationen wird das Eigentumsrecht aufgehoben und der Staat führt Enteignungen durch.

 

Es ist bemerkenswert, wie stark die Geldpolitik in den vergangenen Jahren über die Geldmengenerhöhung und die niedrigen Zinsen die Immobilienpreise beeinflusst hat. Denn durch die Maßnahmen sind Kredite wesentlich günstiger geworden, was die Nachfrage nach Immobilien insbesondere in Deutschland bis heute ansteigen lässt. Das Angebot kann aufgrund staatlicher und natürlicher Restriktionen (lokale Bodenknappheit, langsame Baufertigstellung) nur verzögert darauf reagieren. Entsprechende Preissteigerungen sind daher vor allem in den Ballungsgebieten zu beobachten. Werden diese weiterhin als langanhaltender Preistrend fehlinterpretiert, so verfallen die Marktteilnehmer in einen regelrechten Geldrausch. Dieser mündet meist in Preisblasen mit ungeheurer ökonomischer Zerstörungskraft. Wo die geldpolitischen Maßnahmen der vergangenen Jahre letztlich hinführen werden, umtreibt daher nicht nur die Immobilienwirtschaft.

 

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